Die Wallfahrtskapelle

Die Wallfahrtskapelle im Scan

Acht Jahrhunderte Geschichte machen Cuatrovitas zu einem einzigartigen Baudokument

Das Minarett

Der Minarettturm ist in allen seinen Bauteilen komplett aus Ziegelsteinen errichtet. Seine quadratische Grundform misst an der Basis etwas mehr als 10 Fuß (3,3 m statt 3,14 m) und genau 10 Fuß Seitenlänge am oberen Ende des Turmschaftes. Alle vier Mauerschalen sind mit jeweils drei Lichtöffnungen durchbrochen, die aus je einem Zwillingsfenster bestehen. Diese Lichtöffnungen sind in verschiedenen Höhen platziert, da sie dem Aufstieg der Wendeltreppe im Inneren folgen.

Die Wendeltreppe ist linksläufig und umläuft einen mittigen Ziegelsteinpfeiler von 3 Fuß Seitenlänge (94 cm). Die Breite der Stufen beträgt 2 Fuß (63 cm), so dass sich als Rest 1 Elle (47,14 cm) für die Mauerstärke der Außenwände ergibt.

Jeder Treppenzug besteht aus vier Stufen von 1 Fuß Auftritt (31,43 cm) und 23,5 cm Stufenhöhe: Ein Zug kann so genau 2 Ellen (94 cm) Höhe überwinden. Der komplette Umlauf der Wendeltreppe ergibt einen Aufstieg von 8 Ellen (3,8 m); dies summiert sich bei vier kompletten Umläufen bis zum zentralen oberen Treppenzug auf 24 Ellen (11,4 m). Dieser Letzte sitzt zentral auf dem Mittelpfeiler auf und führt schließlich auf die Turmplattform. Er besitzt als einziger sechs Stufen mit einer Gesamthöhe von 3 Ellen, so dass der letzte Wendelzug 5 Ellen Höhe (2,35 m) misst. Insgesamt erreicht der Turm vom Fuß bis zur Plattform 29 Ellen Höhe (13,7 m).

Nordansicht des Minaretts von Cuatrovitas

Alminar de Cuatrovitas

Typologie der Fensteröffnungen in Cuatrovitas

Die Öffnungen zeigen als zwei übereinander liegende Zwillingsfenster in östliche Richtung, sowie zwei Zwillingsfenster und jeweils ein Blindfenster nach Norden, Westen und Süden. In ihnen wechseln leicht gespitzte Hufeisenbögen mit Mehrpassbögen.

Arco Polilobulado
Arco Acceso
Arco Herradura

Bis zum Jahre 1852, als man in ganz Spanien das metrische Dezimalsystem einführte, exisitierten für viele Jahrunderte mehrere Maßsysteme parallel nebeneinander. Alle setzten sich aus Untermaßen zusammen, die den Abmessungen des menschlichen Körpers entlehnt waren, wie z. B. Fuß und Elle. Diese waren zueinander in ein festes Bezugssystem eingebunden (1 Elle entsprach z. B. 1,5 Fuß). Um die Maßverhältnisse eines Entwurfs und einer Konstruktion zu untersuchen, muss daher die Maßeinheit bekannt sein. In der islamischen Welt wurde mit einem Fußmaß von 31,43 cm gerechnet. Dank dieser grundlegenden Information ist auch der Entwurf der ehemaligen Moschee heute leicht verständlich.


Die folgende Tabelle zeigt einen Längenvergleich verschiedener Maßeinheiten, wie sie im Römischen Reich, in al-Andalus und im kastillischen System verwendet wurden.

Der Moscheehof – Raum der rituellen Waschung

Der heutige Hof erscheint für diese rituelle Handlung äußerst kleinräumig. Im Westen ist er durch eine schräg angelegte Hofmauer verengt. Ihr Verlauf respektiert ältere Wohnbauten in unmittelbarer Nachbarschaft. Im Osten ragte der Hof einst über den Turm hinaus und erreichte somit statt der heutigen 20 Fuß (6,3 m) insgesamt 30 Fuß (9,5 m) lichte Breite.

Hufeisenbogen im Hofbereich. Ehemaliger Zugang zur Moschee

arco5.jpg

Der Innenraum

Die Moschee von Cuatrovitas wurde am Südende der Siedlung errichtet, wo sich bereits Wohnbauten befanden. Tatsächlich ergaben sich daraus Beschränkungen für die Abmessungen der Bauparzelle und dadurch für den Bau. Der haram (Gebetssaal) war in drei Schiffe von je 10 Fuß Breite (3,14 m) aufgeteilt. Das Mittelschiff erfährt eine Betonung. Die Lichten der Seitenschiffe sind um die Mauerstärken der Mittelarkaden (63 cm) gegenüber der Lichte des Mittelschiffes vermindert. In der Länge misst der Saal 40 Fuß (12,5 m), inklusive der Außenmauern von ca. 58 cm. Die drei Längsschiffe des haram werden von je fünf Bögen mit jeweils 5 Fuß Lichte (2,35 m) unterteilt. Nur der letzte Bogen ist etwas schmaler.

Die Pfeiler unter den Hufeisenbögen besitzen eine Höhe von 6 Fuß (1,88 m). Das gleiche Maß wählte der Architekt für den Durchmesser der Bögen. Nur der erste Bogen ist unmerklich niedriger. Das quadratische Rahmenfeld (alfiz), das jeden Bogen umläuft, erreicht jeweils 5 Fuß Seitenlänge (2,35 m) zwischen den Mittelachsen der Pfeiler. Seine Basis liegt am Kämpfergesims.

Um uns den Entwurf komplett zu erschließen, fehlt noch die Höhe des Betsaales. Hier bezog man sich auf die Hälfte seiner Innenlänge und erreichte somit etwas mehr als 18 Fuß. Dies ergibt sich, wenn wir aus der Gesamtaußenlänge (40 Fuß) die beiden Stärken der Außenmauern abziehen und diesen Wert (36 Fuß) halbieren.

Östliche Innenwand des Betsaales, freigelegt während kürzlicher Sanierungsarbeiten

Lass Dir die Moschee in unserem 3-D-Modell zeigen. Lade die Datei für Sketchup herunter und drucke Deine Moschee aus, so wie sie die Archäologen rekonstruierrt haben

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