Die Materielle Kultur

Archäologische Grabungen, die wir seit 2013 am Fundplatz durchführen, haben die materielle Kultur in Cuatrovitas fassbar gemacht. Alle Fundobjekte, vorwiegend Keramik, aber ebenso die wissenschaftlich wertvollen Gegenstände aus Stein, Metall, Bein, Glas etc., geben uns Einblicke in das Leben und Wirtschaften. Sie illustrieren uns den Alltag, die handwerklichen Aktivitäten oder auch den Handel, so z. B. mit der nahen Hauptstadt Sevilla.

Die Funde stammen aus unterschiedlichen Kulturepochen: Eine sehr geringe Anzahl datiert in die römische Antike, die mit Abstand größte Menge jedoch in islamische Zeit, gefolgt von erneut deutlich weniger Funden aus dem christlichen Spätmittelalter, der Frühneuzeit bis hin zur Gegenwart. Diese letzte Gruppe ist bisher auf das Umfeld der Kirche beschränkt.

Am aussagekräftigsten ist das Keramikensemble aus islamischer Zeit: Die Funde beginnen unter dem Kalifat (10. Jahrhundert) und nehmen bis zur Almohadenzeit (Mitte 12. – Mitte 13. Jahrhundert) kontinuierlich zu. Sie liegen dann in solcher Bandbreite vor, dass einzelne Gefäßtypen und -serien sicher zu erschließen sind. So kennen wir beispielsweise die Kochgeschirre in Form hoher Töpfe und gedrungener Pfannen oder die Wasserkannen und -krüge mittlerweile besonders gut. Auch die bei Tisch benutzten Waren und Sonderformen, wie die der Öllampen, sind bekannt. Dieses übliche Inventar der Haushalte wurde von Stücken besonderer handwerklicher Qualität ergänzt, die uns gleichermaßen von einem gewissen Wohlstand wie auch von Handel mit dem nahen Sevilla berichten.

 

Materielle Kultur setzt sich aus allen Interaktionen zusammen, die ein Individuum mit seinen eigenen Mitteln durchführt.

 

Bilder der in Cuatrovitas gefundenen Keramik

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Obgleich es sich oft um kleine Scherben handelt, können wir aus dem Fundkontext vielerlei Informationen gewinnen. Zweifellos bestand zur gesamten islamischen Zeit in Cuatrovitas eine wichtige Ansiedlung, die sich mit der Zeit, und ganz besonders im 12. Jahrhundert, vergrößerte. Aus den vielen Scherben an Kochtöpfen, Öllämpchen, Vorratskrügen usw. erkennen wir die wichtige Stellung der Siedlung in islamischer Zeit.

Wir wissen nun auch, dass einige Waren aus einer Töpferei am Ort stammen. Dabei handelt es sich nach unserem derzeitigen Forschungsstand um Küchengeschirre und Dachziegel.

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